07.09.2014-Marathon-DM in St. Ingbert

Recht kurzfristig entschied ich mich nach einjähriger Abstinenz wieder bei den Deutschen Meisterschaften im Marathon an den Start zu gehen. Das Rennen sollte in St. Ingbert ausgetragen werden, wo ich 2007 zum ersten Mal an einer DM teilgenommen hatte. Doch die Unterschiede zu damals waren doch recht drastisch. 2007 war ich gut vorbereitet, aber in der Woche vor dem Rennen noch einmal krank. Dieses Jahr war ich schlecht vorbereitet; aber dafür gesund. 2007 war das Niveau in der Disziplin Marathon noch recht „überschaubar“. Mittlerweile feilen die Profis an noch so kleinen Details. 2007 war ich schon die ganze Woche vorher aufgeregt; dieses Jahr war das einzige was mir Kopfzerbrechen bereitete das zu erwartende Gemetzel am Start. Die Liste der Unterschiede ließe sich beliebig fortsetzen. Gleich war allerdings, dass mir die Strecke mit ihren kurzen Anstiegen nicht unbedingt in die Karten spielen würde, wie die Streckenbesichtigung gemeinsam mit den weiteren Teilnehmern der Fahrgemeinschaft nach St. Ingbert, Felix Fritzsch und Sebastian Golz von der allgegenwärtigen orangen MTB-Plage, am Vortag zeigte.
Zu meinem Erstaunen blieb das oben angekündigte Gemetzel am Start weitgehend aus. Selbst konnte ich dazu auch nichts beitragen, denn meine Beine fühlten sich schon beim Einfahren wie Gummi an, was mit dem Startschuss nicht besser wurde. So lautete die Devise vorerst „Schadensbegrenzung“ in der Hoffnung, dass der Motor doch noch anspringt. Dankenswerterweise tat er das recht zeitnah. Von Platz 50 spülte es mich zügig bis auf eine Gruppe in der Größenordnung von Platz 15 vor. Ich hatte mächtiges Glück und erwischte eine schnelle Gruppe. Mit dabei waren Rupert Palmberger, Roland Golderer und Felix. Insbesondere die ersten beiden sorgten im Folgenden auf den flachen Streckenteilen für vernünftigen Vortrieb. Während sich Roland bald nach hinten verabschiedete, tauchte nach zwei Dritteln der ersten von zwei Runden das orange Leuchttrikot von Peter Hermann vor uns auf. Ich ließ es mir nicht nehmen, dass Loch zu meinem Dauerkonkurrenten aus den bisherigen Rennen zuzufahren. Gemeinsam ging es weiter. Am Anfang der zahlreichen Anstiege hatte ich meist zu kämpfen um den Anschluss zu halten, während es mir oben immer etwas langsam ging. Wegzufahren wäre allerdings aufgrund des Streckenprofils wohl keine allzu gute Idee gewesen. So hielt ich weiter die Gruppe. In Runde zwei sammelten wir noch ein paar Fahrer auf, die wahlweise einen platten Reifen oder platte Beine hatten. Einzig Torsten Marx wich von diesen beiden Wahlmöglichkeiten ab und half vorbildlich einem schwer gestürzten Fahrer (vorher hatte er allerdings auch schon die Plattenvariante gewählt). Überhaupt war es ein Wunder, dass es nicht mehr Verletzte gab. Denn wir fuhren in Runde zwei auf ein Feld von Kurzrundenfahrern auf. Ich habe dafür trotz des einen oder anderen Fluches im Affekt eigentlich immer Verständnis. Bei einer DM ist so etwas allerdings dann doch etwas blöd, da die meisten ohnehin schon mit dem Messer zwischen den Zähnen fahren. Aber egal, es ging weiter. Zuerst musste Felix geschätzte 10-15 Kilometer vor dem Ziel reißen lassen. Ich konnte Rupert und Peter noch gut halten, hatte allerdings auch schon ein paar Krämpfe. Attackieren wollte ich die beiden gleich gar nicht, da sie in den Flachstücken erstklassige Arbeit geleistet und somit entscheidend zu meiner guten Platzierung beigetragen hatten. Von hinten kam auch niemand mehr und so fuhr ich die letzte Abfahrt auf Sicherheit – immer im Hinterkopf, wie oft ich mir schon auf der letzten Abfahrt den Reifen zerschossen habe.
Am Ende war es der nie und nimmer erwartete zwölfte Platz mit nur geringem Abstand auf die Top Ten; Felix folgte auf Platz 13. Damit gelang es mir (überschlägig) die Platzierung von 2007 zu halbieren – und das bei eindeutig stärkerer Konkurrenz. Unglaublich, was die Erfahrung von sieben Jahren Rennen fahren so alles ausmachen kann … vielleicht ist ja die DM 2021 wieder mal in St. Ingbert ;)

P.S.: Ein Dank an meinen Bruder Immanuel, der uns erstklassig an der Strecke versorgte.

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