01.06.2015-Erzgebirgsradrennen Markersbach

Bericht von Sebastian:

Am Sonntag stand mal wieder das Erzgebirgsradrennen in Markersbach an. Dabei handelt es sich eigentlich um ein Jedermannrennen unter dem Motto „Wir radeln für Behinderte“. Trotzdem ist es eines der Radsportevents überhaupt im Erzgebirge und wird, egal ob ganz vorn oder weiter hinten, mit einer Verbissenheit ausgetragen, die ihresgleichen sucht. Letzteres dementiert zwar jeder inklusive mir, es ist aber so. Man kann es unter anderem daran erkennen, dass mittlerweile schon mit Aero-Helm samt Visier gestartet wird. Nachdem ich in den vergangenen Jahren eher weiter vorn unterwegs war, wird sich der ein oder andere vielleicht auch fragen, wie ich beurteilen will, wie es weiter hinten aussieht. Doch, kann ich: Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich in Markersbach mein erstes Radrennen überhaupt bestritt. Gestern war ich noch der Meinung, es sei 2004 gewesen; aber nach sorgfältiger Recherche muss ich den Beginn meiner „Rennfahrerlaufbahn“ auf 2003 datieren. Soweit reichen nicht einmal die Ergebnislisten im Internet zurück. Die Zeit weiß ich aber noch: zwei Stunden und sieben Minuten! Damit wäre ich dieses Mal ziemlich genau im Mittelfeld der Gestarteten gelandet, was man sicher als „weiter hinten“ gelten lassen kann. Und ich weiß auch noch genau, wie bis zum letzten Meter um jeden Platz und jede Sekunde gekämpft wurde.
Jetzt aber zurück zur diesjährigen Austragung des Erzgebirgsradrennens: Das Wetter war uns sowie dem Veranstalter gnädig gestimmt und es gab Sonnenschein und optimale Temperaturen zum Radfahren. Unser Team war auch nahezu vollzählig versammelt. Einzig Markersbach-Urgestein Guido musste krankheitsbedingt passen. Meine persönliche Renntaktik war einfach: Passiv verhalten, Kräfte sparen! Die „Vorbelastung“ des Vortages beim Author Kral Sumavy über 107 Kilometer im Böhmerwald war schließlich nicht so einfach wegzudiskutieren. Als Hauptkonkurrenten schätzte ich Felix Fritzsch von Focus Rapiro ein, der im Moment in bestechender Verfassung ist. Als potenzielle Sieganwärter kamen noch eine Reihe weitere bekannte Gesichter inkl. meines Bruders Immanuel infrage. Letzteren zähle ich allerdings nicht zur Konkurrenz. Für unser Team waren noch Pitt (der mit mir am Vortag im Böhmerwald war), Bastian (der das Erzgebirgsradrennen für seinen Saisoneinstieg nutzte), Sandra (die extra aus Dresden angereist war) und Mike (einer unserer beiden „Youngsters“) über die 47 Kilometer lange Fichtelbergrunde, sowie Norman (der danach zur Arbeit musste und sich deshalb vor dem Fichtelberg drückte) und Christian (der zweite „Youngster“) über die 28 Kilometer lange Hundsmarterrunde am Start (ich hoffe, den Satz versteht noch jemand). Laura, die vor kurzem ihre aerodynamische Gestalt urplötzlich eingebüßt hatte (nur für Insider zu verstehen), feuerte uns derweil vom Streckenrand aus an.
Nun zum Renngeschehen. Es ging äußerst langsam los und man beäugte sich. Mir kam das gelegen, denn so ein schneller Start kann ganz schön wehtun, wenn man schon ein Rennen in den Beinen hat. An der Mitte des Anstiegs vom Ephraimhaus aus machte Felix dann langsam ernst. Es konnten nur Immanuel, Jan Bretschneider und ich folgen. Jan verloren wir bald aus dem Schlepptau und auch mein Bruder musste etwas später abreißen lassen. Im Flachstück nach dem Anstieg verweigerte ich die Führungsarbeit, um Immanuel die Chance zu geben, den Anschluss wieder herzustellen. Leider klappte das nicht, sodass ich mich anschließend mit an der Führung beteiligte. Ich muss allerdings zugeben, dass Felix hier mehr arbeitete. Mir persönlich war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders viel daran gelegen, schnell von der Verfolgergruppe wegzukommen, denn ich spürte den Vortag noch ganz schön. Auf dem Fichtelberg fiel mir der Sieg in der Bergwertung praktisch geschenkt zu, weil die Streckenführung gegenüber den Vorjahren geändert worden war. Ich schaltete im entscheidenden Moment etwas schneller als Felix und kam so als erster auf dem Fichtelberg an. Da die Möglichkeiten bis zum Zielanstieg wegzukommen nur sehr begrenzt sind, lief es also auf eine Entscheidung an Selbigem zu. So kam es dann auch. In einem kurzen Sprint hätte ich gegen Felix wahrscheinlich eher schlechte Karten gehabt. Deshalb versuchte ich es mit der langen Variante. Das funktionierte geradeso und ich bog als erster in die Zielschneise ab. Da man dort eigentlich nicht mehr wirklich überholen kann, zog ich gar nicht mehr voll durch. Schlitzohr Felix hatte allerdings doch noch nicht aufgegeben und versuchte es auf den allerletzten Metern erneut, sodass es noch mal eng wurde. Am Ende reichte es für mich zwar knapp, aber doch deutlich sichtbar. Hinter uns setzte sich Immanuel aus der Verfolgergruppe heraus durch und komplettierte damit das Podium. Bastian wurde, in Anbetracht seines Trainingspensums, unglaublich starker Gesamt-18. (8. AK). Pitt kam auf Platz 52 (26. AK). Youngster Mike folgte direkt hinter ihm und wurde damit Dritter in seiner Altersklasse; übrigens 16 Minuten schneller als ich damals 2003 im gleichen Alter. Sandra komplettierte unser tolles Teamresultat als zweite in ihrer Altersklasse. Sie ärgerte sich allerdings über die acht Minuten langsamere Fahrzeit gegenüber dem Vorjahr; so gesehen müssten sich mein Bruder und ich aber auch ärgern (ich bin ja der Meinung, dass es an ungünstigen Windverhältnissen lag ;) ).
Auf der 28-Kilometer-Strecke kam Norman auf Platz 30 (14. AK). Christian wurde 36. und zugleich mit nur reichlich sechs Minuten Rückstand auf den Gesamtsieger sehr starker Vierter in seiner Altersklasse. Dazu muss man sagen, dass er mit seinen 15 Jahren gegen 18-Jährige Konkurrenten antreten muss!
Nach dem Rennen gab es noch den ein oder anderen Schmunzler. So wurde Felix bei der Siegerehrung gleich mal als „Felix Stark“ aufgerufen. So falsch war das auch gar nicht: Ihm fehlte zwar das Glück des Tüchtigen beim Erzgebirgsradrennen, aber im Moment ist er mächtig stark drauf und das freut mich auch ganz ehrlich für ihn, nachdem er viele Jahre mit Verletzungspech gekämpft hat. Der Veranstalter hatte im Übrigen auch ein glänzendes Händchen für die Wahl der Preise. Mein Bruder hatte am morgen gesagt, dass er mal noch eine Sporttasche bräuchte. Und siehe da: Ich bekam eine und konnte sie ihm direkt abtreten. Dazu gab es noch 29er-Reifen für die Bergprämie. Während der Siegerehrung klingelte mein Handy. Natürlich war es laut gestellt und natürlich fuchtelte ich wie wild rum, um das Ding stumm zu kriegen, in der Hoffnung, dass es niemand mitkriegt. Nach der Siegerehrung kam der Anrufer, mein Onkel Steffen (dessen Malerbetrieb einer der Hauptsponsoren unseres Teams ist), in nahezu Renntempo über den Platz geschossen. Er war gerade mit einigen anderen kurz vor der Komplettierung der Stoneman-Runde und es hatte sich jemand den Reifen irreparabel aufgeschlitzt. Souverän konnte ich einen nagelneuen Reifen aus der Tasche ziehen – besser hätte es nicht klappen können.
So, nun mach’ ich aber Schluss, denn der Bericht ist schon jetzt länger als das Rennen …

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