28.06.2015-MadEast Challenge

Lauras Bericht von der MadEast am Samstag und der MadEast Light:

Endlich darf ich auch mal schreiben! Nachdem ich dieses Jahr bei den Rennen bisher „nur“ Zuschauer und Helfer (Verpflegen ist meiner Meinung nach mindestens genauso anstrengend wie selber Fahren.), war, konnte ich heute bei der Mad East dank lieber Kinderbetreuung durch Oma und Uropa auch selbst wieder im Sattel sitzen. Meine sehr aerodynamische Tropfenform habe ich zwar verloren, im Gegenzug aber leider keine Topform bekommen. Drum stand für mich heute ein gutes Durchkommen an erster Stelle. Besonders motivierend war für mich natürlich die gleichzeitg ausgetragenen Wertungen der Deutschen Hochschulmeisterschaften bzw. adh-Pokal (entspricht der Deutschen Hochschulmeisterschaft für Nicht-Lizenzfahrer), da ich die letzten beiden Male den adh-Pokal gewonnen hatte und somit quasi Titelverteidiger war.
Vor Ort heute Morgen war auch Pitt. Bastian musste wegen erneuter Krankheit leider auf seinen Start verzichten.
Anfahrt, Parkplatzsuche, etc. verliefen verdächtig reibungslos. Nach dem Start der langen Mad East Samstag Strecke blieben noch 15 Minuten Schonfrist, in denen ich mich mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens beschäftigte: „Noch mal aufs Klo, oder lieber nicht?“ (Der Toilettengang lohnte sich schon allein wegen der angebrachten Chuck-Norris-Witze.), „Eine Banane oder Riegel oder lieber nichts vorneweg essen?“, „Links oder rechts im Startblock aufstellen?“, … Meine zweite Trinkflasche gab ich Andreas Stark, VdFK, mit in der Hoffnung ihn oder die Flasche unterwegs irgendwo wieder einsammeln zu können.
Vor dem ersten Anstieg, den Skihang nach oben, hatte ich schon seit Wochen Alpträume, nicht zu Unrecht. Oben angekommen, wäre ich am liebsten wieder umgekehrt. Eine große Gruppe vor mir war einteilt – mit dabei war meine Flasche am Fahrrad des VdFK. Glücklicherweise sprang der Motor dann ein wenig an, sodass ich für den Rest des Rennens versuchte Andres Stark mit meiner zweiten Trinkflasche wieder einzuholen. Er war immer in Sichtweite, zum Teil war der Abstand nicht mehr als 50 Meter, aber wie erwartet fuhr er mir an den Anstiegen immer wieder davon. Die holprigen Waldwege und die steilen Anstiege zehrten an der Substanz. Bei der Orientierung mit meinem Höhenprofil war suchte ich immer wieder den Berg, den ich gerade hochfuhr, den ich aber dort nicht finden konnte. Irgendwas war da defekt. Vermutlich waren es meine Beine. Ich fuhr die ganze Strecke alleine, bis zum letzten Anstieg, als ich vier Männer einholte, die schon ziemlich grau aussahen. Es ist jedes Mal wieder erstaunlich, welche Kräfte da von den männlichen Mitstreitern mobilisiert werden können, wenn sich der Überholende als Frau entpuppt. Einer der Vier versuchte bis kurz vor die sehr technische Zielabfahrt mit aller Kraft mich abzuhängen. Liebe Damen – habt Mitleid mit den Männern! Ein Platz weiter hinten in der Gesamtwertung tut uns nicht weh, aber vor oder hinter der 3. Frau zu sein ist für viele Männer schon ein Riesenunterschied! Ich habe ihn fahren lassen und bin kontrolliert die letzte zum Ziel.
Am Ende war ich dritte Frau gesamt, 2. In der AK Frauen und konnte erfreulicherweise den adh-Pokal ein drittes Mal gewinnen. Darüber war ich schon etwas überrascht.
Für das erste Rennen nach langer Zeit war es wahrscheinlich ganz in Ordnung, auch wenn sich große Defizite bergab und bergauf gezeigt haben. Es fehlt einfach der Druck, die Ausdauer und ein wenig „Übung“. Flache Rennen wären genau das Richtige, aber das sind dann wohl leider keine „MOUNTAINbike Rennen“ mehr.
Pitt fuhr trotz defekter Hinterradbremse ab Hälfte des Rennens einen super 14. Platz ein.
Sebastians Bericht lest ihr unten.

Sebastians Bericht von der MadEast:

Etappe 1:
Ich hatte schon im Winter lange darüber nachgegrübelt, ob ich versuchen sollte, mich für die WM zu qualifizieren oder die MadEast zu fahren. Eine gleichzeitige Teilnahme an WM und MadEast war leider aufgrund des terminlichen Zusammenfalls beider Veranstaltungen ausgeschlossen. Letztlich entschied ich mich für die MadEast. Zum Einen wegen der Heim-DHM (Deutsche Hochschulmeisterschaften), zum anderen aber auch wegen der Unabsehbarkeit, ob ich überhaupt Zeit haben würde, mich auf die WM vorzubereiten.
Nachdem mich nach dem Erzgebirgsradrennen in Markersbach ein ziemlich langwieriger Infekt erwischt hatte und ich schweren Herzens sogar den geliebten Malevil-Cup sausen lassen musste, war ich mir ein wenig unsicher, was ich bei der MadEast in diesem Jahr würde leisten können. Die ganze erste Etappe fühlte ich mich dann auch nicht so recht wohl auf meinem Rad. Ich merkte zwar schnell, dass ich am Berg die meisten Reserven in der ca. acht Fahrer starken Spitzengruppe hatte. Aber es fehlte irgendwie trotzdem die körperliche Frische, mit der Rennen fahren Spaß macht. Das machte sich auch in einer Reihe von Konzentrationsschwächen in den technisch anspruchsvolleren Passagen bemerkbar. Große Spitzengruppen kann ich auch nicht leiden; zumal wenn sie so nervös sind wie diese es war. Wenn man das kleinste Loch in den Abfahrten ließ, wurde von einigen (nicht von allen!) sofort bedingungslos überholt. Mensch Leute, wenn es schnurgerade bergab geht, lasse ich ein Loch zum Vordermann nicht deshalb, weil ich nicht so schnell kann, sondern weil es objektiv gesehen recht ungesund ist, ihm im Falle eines Fahrfehlers mit 50 Sachen reinzuknallen! Und außerdem lehrt die Erfahrung, dass es bei diesen Geschwindigkeiten günstig ist, den Weg vor sich zu sehen und nicht nur ein Hinterrad. Kein Wunder also, dass es am Ende tatsächlich jemanden ziemlich heftig entschärfte. Das kostete dann auch den größten Teil der Gruppe zunächst den Anschluss nach vorne, der aber zügig wieder hergestellt werden konnte. Ich selbst versuchte, die Gruppe irgendwie wenigstens zu spalten. Das erwies sich aber als hoffnungslos. Jedes Mal, wenn ich es versuchte, riss ich ein Loch und die anderen klebten zusammen wie die Kletten. Alleine wegzufahren wäre in Anbetracht der noch kommenden Flachstücken und der deutlichen Focus-Rapiro-Übermacht in der Gruppe ein unkalkulierbares Risiko gewesen. So blieb mir nichts anderes übrig, als auf den guten Rat von „Matze“ Reinfried zu hören, sitzen zu bleiben und die Gruppenfahrerei zu ertragen. Ein gutes Stück nach der Rauschenbachtalsperre ergriff ich dann schließlich die Initiative und kam auch weg. Ein Blick nach hinten zeigte, dass sich die Gruppe nun tatsächlich zerlegte. Mein nächster Verfolger war Oliver Vonhausen, der aber bald von einem Hungerast aus dem Rennen genommen wurde. Der einsetzende Regen erweckte nicht unbedingt meine Lebensgeister, aber in Gefahr geriet ich dennoch nicht mehr. Ich rettete mich schlussendlich mit über einer Minute Vorsprung ins Ziel. Zweiter wurde Tobias Rotermund (Focus Rapiro Racing) und Dritter „Matze“ Reinfried (Picardellics Velo Team). Damit sicherte ich mir zum zweiten Mal den Titel des Deutschen Hochschulmeisters (vor Tobias Schmidtmann und Felix Karnatz).

Etappe 2:
Vor der zweiten Etappe gab es gleich einmal die erste Schrecksekunde. Ich stellte fest, dass das Iso in meiner Flasche leicht „spritzig“ war und auch alkoholisch schmeckte. Fazit: Sponser „Long Energy“ sollte man nicht über zwei Nächte stehen lassen. Hätte ich mir mal genauer die Liste der Inhaltsstoffe durchgelesen, wäre mir das auch klar gewesen. Zum Glück trat mir der frischgebackene Dr. Sebastian „Küfi“ Küfner selbstlos eine seiner beiden Flaschen ab. Ich klaute mir also mal wieder eine Flasche! Aber Laura verbottelte Küfi dafür dann an der Bobbahn, sodass das schnell wieder zurechtgerückt war. Schon am ersten Anstieg war ich mir nicht mehr so recht sicher, ob das nun gut oder schlecht für mich war, die Flasche von Küfi zu nehmen. Soviel Druck wie er hatte, hätte er heute schon etwas Mehrgewicht vertragen können. Immerhin waren wir so recht schnell nur noch zu dritt. Mit dabei war nur noch Tobias Rotermund, mein ärgster Verfolger in der Gesamtwertung. Ich hatte den Eindruck, dass Letzterer zu Beginn des Rennens versuchte, mich mit der Brechstange abzuhängen. Wenngleich sich meine Beine nicht besonders toll anfühlten, war ich aber zuversichtlich, diese Angriffe zunächst abwehren zu können. Kurz vor dem Abzweig in ein längeres Bergabstück führte Tobias die Gruppe an, gefolgt von Küfi und mir. Küfi lies mich, schon fast unverschämt selbstlos, vorbei, da er in den Abfahrten etwas langsamer war. Er wollte unseren Zweikampf in der Gesamtwertung nicht behindern. Dafür ging es ja für ihn selbst noch um einen guten Platz in Selbiger! Mir blieb aber nicht viel Zeit, hierüber nachzudenken, denn Tobias riskierte jetzt alles. Von hinten sah das alles nicht so recht gesund aus, was er da machte. Zu folgen war eher kein Problem, da ich mit etwas Sicherheitsabstand gut sehen konnte, wo die Problemstellen sind. Nach der Abfahrt stand Tobias dann auch bald mit Platten am Rand. Dass die MadEast erbarmungslos ist, was Platten angeht, das habe ich schon selbst oft genug erlebt. Einmal einen Stein unterm Gras übersehen und das war’s. Aber der Platten hier war fast schon mit Ansage. So profitierte ich also und war mit Küfi allein auf weiter Flur. Es war ziemlich offensichtlich, dass er am Berg stärker war als ich. Ich entschied mich schon vor dem Anstieg die Bobbahn hoch, ihn ziehen zu lassen, falls er weiter so Druck machen sollte. Sein Tempo war mir schlicht zu hoch. Die Bobbahn hoch, merkte ich, wie Küfi etwas Dampf raus nahm, um auf mich zu warten. Ich überlegte schon, wie ich ihm erkläre, dass es für ihn um die Gesamtwertung geht und er mit seinem Druck durchaus realistische Chancen hat, seine 2:20 min Rückstand auf mich noch gut zu machen. Dazu kam es aber nicht mehr. In der anschließenden Abfahrt sprang Küfi der Reifen von der Felge und er musste den daraus resultierenden Platten beheben. Damit profitierte ich das zweite Mal von einem Defekt bei der Konkurrenz. Den Rest der Strecke passierte nicht mehr wirklich viel. Wie zu erwarten hatten sich die Macher der MadEast noch so einiges einfallen lassen, um uns die vermeintlich kurzen 53 Kilometer so beschwerlich wie möglich zu machen. Zum Glück kam ich gut durch und gewann auch die zweite Etappe (vor Steffen Langer und Sven Pieper) und damit erstmals die Gesamtwertung der MadEast (vor Klaus Reinisch und Tobias Rotermund). Die Ironie dabei ist, dass ich schon ein paar Mal in hervorragender Verfassung am Start stand und ich entweder von Defekten verfolgt wurde oder aber andere einfach noch besser waren, sodass ich bisher nie über Platz zwei hinaus gekommen war. Diesmal war meine Form sicher nicht überragend, aber durch die Defekte meiner Konkurrenten bekam ich den Sieg praktisch geschenkt.
Die Entscheidung für den Start bei der MadEast erwies sich letztendlich auch als richtig. WM-würdig wäre meine Verfassung trotz meiner Siege nicht gewesen.
Pitt und Norman waren am Sonntag ebenfalls am Start und kamen gut durch. Pitt wurde 13. bei den Masters und Norman 34. in der gleichen Klasse. In der Gesamtwertung der MadEast schaffte Pitt mit Platz 19 den Sprung in die Top-20.

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