17.04.2016-Pleiten, Pech und Pannen beim Kellerwald-Bike-Marathon

Sebastian berichtet:

Nachdem Laura mit Hexenschuss und Pitt mit Erkältung schon unter der Woche die Segel streichen, springe ich ersatzweise für den Kellerwald-Bike-Marathon ein. Leicht mache ich mir die Entscheidung nicht, denn diese Veranstaltung war in der Vergangenheit für mich ein Garant für „Pleiten, Pech und Pannen“. Trotzdem geht’s Samstagabend mit dem Rad von Buchholz nach Chemnitz Mitte, wo mich Felix Fritzsch einsammelt. Auch wenn Felix am Kreuz Chemnitz lieber etwas südlichere Gefilde ansteuern möchte, landen wir noch vor 22 Uhr in Gilserberg. Die Übernachtung in der Grundschule verläuft erfreulicherweise schon mal erstaunlich zwischenfallsfrei. Selten hatte ich so eine entspannte Rennvorbereitung wie hier. Nichtsdestotrotz entscheide ich mich „nur“ für die 80-km-Distanz, denn vor den anstehenden UCI-Marathon-Series-Rennen in den kommenden beiden Wochen möchte ich nicht gleich mein ganzes Pulver verschießen. Auch in Anbetracht der Witterung erscheint mir die Entscheidung für das „B-Rennen“ nicht ganz dumm. Sören Nissen faselt vor dem Start irgendetwas von „wenig regenanfälliger Strecke“. Ich habe das aus der Vergangenheit anders in Erinnerung und später beim Zielinterview hat der Däne dann seine Meinung auch etwas geändert. Aber zwischen Start und Ziel liegen ja noch ein paar Kilometerchen. Los geht’s von vorderster Front bei geschätzten fünf Grad – nicht unbedingt mein Lieblingswetter. Zu meiner Überraschung halte ich mich am Anfang auch ganz vorne und kann so in den Schlammstücken jeglichen potenziellen Problemen gut aus dem Weg gehen. Am Beginn des ersten Anstiegs läuft es erstmal sensationell gut und ich kann mich problemlos an der Spitze behaupten. Diesmal hält der Kellerwald aber etwas Neues bereit. Von einem Meter auf den anderen ist ohne Vorwarnung (im übertragenen Sinne) „die Luft raus“ aus den Beinen. In der Form habe ich das bisher noch nicht erlebt und muss erstmal rausnehmen. Zum Glück ist die Streckenführung geändert und so sind wir recht bald über die erste Kuppe drüber. In der ersten Abfahrt bin ich mit ein paar anderen Fahrern recht schnell wieder so gut wie an die Spitze rangerollt und kann hoffen, dass mein Standgasanfall nur vor temporärer Natur war. In dem Moment macht’s aber laut „Pffft“ und die Luft ist jetzt wirklich raus: Hinterradplatten. Erstmal probiere ich es mit einer Kartusche. Aber die Milch kriegt das nicht mehr dicht und ich stehe hundert Meter später wieder am Rand. Nun möchte ich siegessicher das Loch mit dem Schwert des Sahmurai abdichten. Leider hat sich die „Salami“ aus mir unerklärlichen Gründen (das Zeug klebt eigentlich wie Sau) von der Gabel verabschiedet und klebt jetzt unerreichbar im Lenker. Ersatzsalami habe ich nicht dabei. Das ist aber im wahrsten Sinne des Wortes wurstegal, weil ich diese mit den von der Kälte tauben Fingern sowieso nicht würde einfädeln können. So bleibt nur Schlaucheinziehen, was sich insbesondere des Schlammes wegen als äußerst unangenehm und langwierig erweist. Da fährt man 650 Kilometer Cape Epic auf den reifenmordendsten Strecken der Welt und hat keinen einzigen Platten. Und dann zerstört man sich auf der ersten Abfahrt des Kellerwald-Bike-Marathons (!) den nigelnagelneuen Reifen so, dass man ihn im Anschluss in die Tonne treten kann – kaum zu glauben! Die Aktion kostet geschlagene neun Minuten und das ganze Feld ist nun vor mir. Letzteres ist bei den Bedingungen ziemlich fatal. Überholen ist häufig entweder gefährlich oder unmöglich. Aber „Aufgeben tut man einen Brief“ und so gebe ich dort wo es geht Vollgas. Um weiter nach vorne zu kommen reicht das natürlich nicht, aber immerhin handele ich mir den Rundenzeiten nach zu urteilen nur drei weitere Minuten Rückstand auf den an diesem Tag sensationell starken späteren Sieger Klaus Reinisch ein. In Runde zwei zieht es mir dann doch den Stecker – physisch und psychisch (keine Ahnung, was zuerst der Fall ist). Viel mehr als Tourentempo ist das alles nicht mehr. So ist es wenig verwunderlich, dass es am Ende nur noch für Platz neun mit 20 Minuten Rückstand reicht. Der Kellerwald hat für mich damit mal wieder gehalten, was er verspricht: recht wenig. Immerhin schafft es meine Mitfahrgelegenheit Felix mit einer großartigen Vorstellung auf den dritten Rang auf der stark besetzten 120-Kilometer-Distanz! Dafür gibt’s einen großen Laib Brot und einer schön fettige Wurst, sodass die Rückfahrt für uns sorgenfrei verläuft. In den kommenden Wochen kann’s eigentlich nur besser werden …

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