28.05.2016-Author Král Šumavy 2016

Pitt berichtet:

Letztes Jahr war es die Lust auf etwas Neues, dieses Jahr der Mangel an Alternativen, der mich dazu bewog, den König des Böhmerwaldes zu buchen. Die 105 km oder rund 5 Stunden Rennbelastung sind im Hinblick auf die lange Salzkammergut-Trophy nicht die schlechteste Wahl, also gebe ich Frau und Kinder Freitagnachmittag in die fürsorglichen Hände der Großeltern, sacke in Dresden noch fix Steffen Langer ein und mache mich auf den Weg nach Klatovy. Wir entschließen uns auf Maut und Zusatzkilometer zu verzichten, fahren dafür auf dem kurvenreichen Weg immer wieder auf gemütlich dahin gleitende Tschechen auf. Der Bus ist nun kein Beschleunigungsmonster, also muss ich seine vollen 105 Pferdestärken einsetzen und schlängel mich elegant durch den Verkehr, ohne das Steffens Hand Kerben in meinem Angstgriff hinterlässt.

Die Anmeldung erledigen wir noch im Hellen und es bleibt Zeit für Steffens obligatorische Pizza, welche wir uns auf dem Marktplatz organisieren. Wir wollen gerade zurück rollen, als es aus einer anderen Pizzeria vor Ort meinen Namen ruft. Wieder mal verhört? Nein, Mütze Mützlitz, Marcel Hofmann und, man höre und staune, der X-Men nehmen gerade die zweite Portion bzw. den Nachtisch ein. Kurzer Plausch, Verabredung für den Morgensport und dann geht es ab in Richtung Bettchen. Naja, nicht wirklich, wir stoppen noch kurz am Kaufland, da Steffen noch Wasser und Bier für sanfte Träume benötigt, aber dann gehen wirklich zeitnah die Lichter aus.

Ich schlafe mittelprächtig, bin trotz oder wegen fehlender, kindlicher Geräuschkulisse zwei-dreimal munter, schlummere jedoch immer wieder ein. Gegen 6 Uhr entschließen sich unsere Nachbarn die Nacht zu beenden. Ich tue es ihnen gleich, kann doch das Müsli so etwas länger durch den Verdauungstrakt wandern. Es bleibt noch ein wenig Zeit fürs Warmfahren bevor wir kurz vor 7.30 in den Startblock rollen und nach dem Erklingen der heroisch anmutenden Klatovy-Hymne der Startschuss erfolgt.

Mit recht gemütlichem Tempo absolvieren wir die ersten Kilometer, sodass ich mich über meinen verhältnismäßig niedrigen Puls nicht allzu sehr wundere. Doch die ersten Berge im Gelände zeigen schnell wo es heute hakt – die Beine sind müde und geben nur wiederwillig Leistung her. War bei dem Training zu befürchten. Die Beine haben aber auch noch jede Menge Kilometer, es sich anders zu überlegen. Ich gebe ihnen eine Chance und es gelingt mir die Lücke zur Gruppe von Marcel Hofmann zu schließen. Vielleicht geht ja heute doch was? Mit Nichten. Nach der Ersten von Vier Wasserdurchfahrten, die ich halb schwimmend bezwinge, zahle ich den Tribut für unrasierte Gliedmaßen. Sie wirken heute gefühlt wie ein Schwamm und speichern das kühle Nass. Im folgenden, längeren Asphaltanstieg zieht und zwickt es mächtig in Oberschenkeln und Waden. Marcel entfernt sich brabbelnder Weise zusehends, während ich mich meinem Schicksal ergebe.

Von jetzt an diktiert der Kopf die abrufbare Leistung und die sinkt gen Grundlagenausdauer. Die Glieder schmerzen, speziell der Rücken beschwert sich über die neue Karbon-Sattelstütze. So soll ich 211 km im Salzkammergut überstehen? Niemals! Trotzdem haben von hinten aufschließende Fahrer Mühe, sich an mir vorbei zu mogeln. Meine Hoffnung ruht auf dem längeren Asphaltstück, auf welchem im letzten Jahr die Motivation zurückkehrte. Pustekuchen, genau hier muss ich eine Gruppe von gut 10+ Fahrern ziehen lassen. Abbrechen bringt beim König des Böhmerwaldes nicht viel, schließlich haben wir den vom Ziel am weitesten entfernen Ort schon hinter uns gelassen und es geht nun mehr oder weniger Schnurrstracks zurück.

Das dachte ich zumindest, aber es zieht sich in die Länge. Die letzten Kilometer absolviere ich mit einem Berliner Fahrer in Slalommanier, da sich zunehmend die kürzeren Strecken mit der unseren vereinen. Irgendwann langt es mir, ich trete etwas kräftiger ins Pedal und verliere meinen Begleiter. Ein kurzer Asphaltanstieg, ein Stückchen Feld, ein letzter Trail, dann erreiche ich nach 5:07h das Ziel als 39. Gesamt.

Meine Zeit ist um gut 30 min besser als die des letzten Jahres, aber die Bedingungen wohl ungleich leichter. Zufrieden bin ich heute keineswegs. Steffen ergeht es deutlich besser, er wird starker 9. Gesamt, direkt hinter Sebastian Küfner. Da er sich schon viel zu lange im Zielbereich aufhält und ich noch zu Oma’s Geburtstag möchte, dränge ich ihn zum zeitnahen Duschen, der Aufnahme der Zielverpflegung und zum Aufbruch. Das Navi schickt uns zwecks Vermeidung von Mautstraßen zwar noch über recht verwunschene Wege, aber kurz nach 18 Uhr erreiche ich mein eigentliches Tagesziel und ein gebrauchter Tag ist fast zu Ende…

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