09.07.2016-Salzkammergut Trophy, Bad Goisern (AUT)

Bericht von Pitt

Über die Salzkammergut an sich Trophy muss ich wohl kaum mehr Worte verlieren. Oft genug haben allen voran Bastian, FK, X-Men, Laura oder ich selbst daran teilgenommen. Es ist immer noch die größte MTB Veranstaltung in Österreich mit stattlichen 4500-5000 Teilnehmern, diversen Marathon Strecken, Einrad-Downhill etc. Selbst eine E-Bike Variante gibt es in diesem Jahr, für Wen auch immer.

Da sich meine lieben Team- und Vereinskollegen um die Veranstaltung in diesem Jahr drücken wie ein Olchi vor einer Vollwäsche, gründe ich kurzerhand das „MadEast-TBR-EBM Team“ und lasse meinen versierten Mitstreiter vom letzten Jahr, Steffen Langer von der MadEast Crew, Ur-X-Men Norman und Marcel Hoffman (beide EBM Team) eintragen. In dieser Zusammenstellung scheint es mir möglich zu sein bei der Team Wertung ein Wörtchen mitzureden. Sicherheitshalber sacke ich Steffen in Dresden ein und düse mit Ihm bereits Donnerstag Abend gen Bad Goisern.

Am Freibad in Goisern angekommen begrüßt mich HdW (a. D.) - was für ein netter Zufall denke ich. Nur ist HdW (a. D.) wirklich zum Urlaub hier, keine Chance ihm die 211 km einzureden. Zumindest habe ich jetzt mal ein Ersatzrad vor Ort. Die Nacht vor dem Rennen ist kürzer als sie ohnehin gedacht, da unser verborgener Stellplatz wohl kein wirkliches Geheimnis mehr ist und die Kurzstrecken-Genossen von Zwillingskraft naturgemäß etwas länger tagen. Gegen halb drei werfe ich mein Frühstück ein, bette mich noch einmal bis um vier Uhr der Wecker endgültig die Nacht beendet. Obwohl eigentlich genügend Zeit ist, schaffen es Steffen und ich gerade mal fünf Minuten vor um fünf Uhr in den Startbereich einzurollen. Wie jedes Jahr eben.

Ich mustere noch kurz den Startbereich. 853! Verrückte wollen sich die Strapazen laut Startliste antun. Davon sind im vorderen Starterfeld viele offensichtlich gute Fahrer mit auffallend niedrigen Startnummer, von denen meist drei einheitlich gekleidet sind. Das lässt nichts Gutes für die Team Wertung erahnen, auch wenn die wie wir erst einmal ankommen müssen. Im Gedächtnis hängen bleibt auch ein Popye- Verschnitt an dessen Rad eine Nummer klebt mit welcher er im letzten Jahr unter 11,5 Stunden hätte finishen müssen. Wenn der laufende Muskel vor mir ins Ziel kommt frage ich ihn mal nach seinem Spinat-Rezept. Ungewohnt flott setzt sich der Tross fünf Uhr in Bewegung, so dass ich Mühe habe Lücken zu stopfen ohne zu überpacen.

Zum Glück verlangsamt sich das Tempo im ersten Anstieg - das von Popye mehr als meins. Tief atmend bewegt er sich den ersten steilen Anstieg hinauf. Wusste ich es doch - nach vier km scheint sein Spinatspeicher schon aufgebraucht. Auch Marcel hohle ich recht rasch wieder ein, Steffen bleibt lange in Sichtweite – trotzdem will der Motor nicht so recht anspringen. Vielleicht liegt es ja an den stetigen Schauern, die uns die ersten 4-5 Stunden begleiten sollen. In bis zu 1400 m Höhe in nassen Klamotten pedalieren kostet halt ein paar Körner extra. Dafür erhöht sich der Grip in den berüchtigten Schotterabfahrten, so dass ich die erste Zwischenzeit quasi zeitgleich zum letzten Jahr erreiche.

Was mir in diesem Jahr fehlt ist ein stetiger Begleiter, welcher mir mit mehr oder weniger niveauvollen Gequatsche die Zeit und schlechte Gedanken vertreibt. Marcel schließt in Anstiegen immer wieder auf, manchmal zieht er auch vorbei – in den Abfahrten lässt er es etwas schleifen. Mein Talent und seine Beine – das Moped Seeberger, was weit vorn alleine seine Kreise zieht, könnte sich warm anziehen. Ab und an wechsle ich auch mit anderen Fahrern ein paar Worte. Nichtsdestotrotz bleibt in diesem Jahr zu viel Zeit um sich mit mir selbst und meinen Wehwehchen zu beschäftigen. Die Beine wollen nicht, das Kreuzbein schmerzt, der rechte Daumen entwickelt kaum Kraft zum schalten – ich werde alt. Die Frage nach dem Grund der ganzen Unternehmung kommt daher im fünf Min Takt auf. Immer wieder die Selbe Antwort – weil ich es kann!

Ausgesprochen unterhaltsam gestaltet sich die bei mir sonst wenig beliebte, sehr verbockte Abfahrt nach Bad Ischl. Bei Regen bildet sich auf dem Kalkstein eine feine, schmierige Schicht welche andere Fahrer zum Schieben veranlasst, mir hingegen mit offener Bremse die Gelegenheit bietet eine fast zweistellige Anzahl an Fahrern zu überholen. So schiebe ich mich unbemerkt auch wieder in die Schlagdistanz zum zweiten Rapiro-Fahrer. Alles im Lot also, zumindest bis der nächste Berg kommt.

110 km habe ich nun in den Beinen, zwei Mal die ewige Wand passiertals ich Weißenbach ebenfalls zum zweiten Mal erreiche. Wie das Wetter hellt sich schlagartig mein Gemüt auf denn ich erblicke HdW, freundlich lächelnd mir eine Flasche entgegenstreckend. Ob ich noch etwas benötige – Nein, bis auf einen Hilfsmotor habe ich alles dabei. Plötzlich und unerwartet verschwinden auch die Gliederschmerzen, die Beine wollen geben grünes Licht und es finden sich an meinem Hinterrrad auf dem Weg zum Hochmuth drei Fahrer wieder. Lustig, wie doch das Wetter meine Laune und damit Leistung die beeinflusst.

Die gute Laune verfliegt leider etwas als ich bei der nächsten Verpflegung Steffen am Wegesrand erblicke. Bei einem Sturz hat er sich den Bremshebel abgebrochen – die Teamwertung ist damit futsch. Es dauert eine Weile bis ich vom Rennfieber gefesselt dies akzeptiere, nicht auch aussteige und mich aufraffe weiter zu fahren. Schade ist es trotzdem. Das Flachstück zum Salzberg absolviere ich kraftsparend stetig am Hinterrad eines solide gebauten, ausreichend breiten Fahrers, der in mir vertrauter Obertrikotage daher kommt. Er ist scheinbar noch kein bisschen Müde und bolzt gefühlt ordentlich Tempo.

Dat läuft, denke ich. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr erleide ich am Salzberg so auch keinen Einbruch, wirklich Plätze mache ich nach vorn jedoch auch nicht gut, gleichwohl ich viele Fahrer der B-Strecke überhole. Mit dabei ist auch der Godfather of EBM und Mitglied in der Bike Hall of Fame höchstpersönlich, Albrecht Dietze. Erstaunlich frisch wirkt er noch, da sehen andere Fahrer schon schlechter aus. Nach kurzem Gruß ziehe ich mit Marcel im Schlepptau vorbei. Im anschließenden, bis zu 40 % steilen Teeranstieg, welcher meiner Meinung nach mit einer 1x11fach Schaltung, wie ich sie habe, nicht fahrend zu bewältigen ist, erblicke ich Rico Bergmann, meinen Spezi vom TSV 92 Freiberg. Eigentlich ist er auch auf der B-Strecke unterwegs, unterhält sich aber sichtlich angeregt mit ein paar am Streckenrand wartenden Mädels. Scheinbar ertappt versucht er mit mir Schritt zu halten, scheitert dabei und sein Gebrabbel wird schnell leiser.

Was soll´s, es läuft halbwegs zur Roßbergalm hinauf und auch den letzten richtigen Anstieg absolviere ich in ganz annehmlichen Tempo. So überhole ich auch noch einige Fahrer, unter anderem einen von Rapiro, der sich sichtbar quält. Nur ein tschechischer Fahrer und ein Österreicher halten an meinem Hinterrad mit. Da es von nun an mehr oder weniger bergab geht verabreden wir bis zum Ziel zusammen zu bleiben. So kann zumindest kaum noch jemand von hinten zu uns aufschließen. Ein weiser Entschluss, zieht doch irgendwer auf einmal komplett bei mir den Stecker. Da hilft auch die von meinem solide gebauten, ausreichend breiten Fahrer gereichte Cola nicht mehr. Er zieht uns bis Bad Goisern, und auch wenn ich mangels Kraftreserven auf den Zielsprint verzichte überquere ich die Ziellinie wie angestrebt unter 12h auf Platz 25 Gesamt, 9. Alterklasse.

Mein Fazit, schwer rein gekommen, ordentlich gequält (wer es nicht glaubt kann sich gerne mal das Zielfoto der Startnummer A32 anschauen – besser ging es nicht mehr) und achtbar geschlagen. Da Steffen wohl ohne Sturz deutlich vor mir ins Ziel gekommen wäre, Marcel auf mich auch nur eine viertel Stunde verliert hätte es sogar etwas mit der Teamwertung werden können - es sollte halt nicht sein. Rico beendet seine erste Trophy auf der anspruchsvollen B-Strecke trotz Laberpausen als starker 234, Albrecht Dietze der bestimmt weniger Zeit als ich in die Vorbereitung investieren kann als 304. Wenn ich den Bus wieder flott bekomme, der auf dem Rückweg einen Kupplungs- und Getriebeschaden erleidet, freue ich mich als nächstes auf die Sudety.

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