19.04.2015-Kellerwald-Bike-Marathon

Ein Bericht von Sebastian vom Kellerwald-Bike-Marathon:

Wie im Bericht zum Kyffhäuser Berglauf schon fast angekündigt, stand für mich an diesem Wochenende der Kellerwald-Bike-Marathon an. Da ich dort schon zweimal über die 80 Kilometer gestartet war, entschied ich mich dieses Mal für die 120 Kilometer – ein kühnes Unterfangen, wie sich herausstellen sollte. Bereits am Samstag düste ich von Dresden los. Beim Zwischenstopp in Jena sackte ich Küfi und Micha ein. Ersterer hatte meine Startentscheidung deutlich befördert, da er noch ein Hotelzimmer „übrig“ hatte. Da das Navi uns nicht ausdrücklich genug zum Abfahren von der Autobahn ermahnte, erreichten wir das Hotel nicht ohne Ehrenrunde. Abends ging es dann per Rad die zwölf Kilometer zum Abholen der Startunterlagen sowie der obligatorischen Nudelparty. Auf dem Rückweg ins Hotel drehten wir ins Gespräch vertieft wieder eine gehörige Ehrenrunde, sodass wir gerade noch so der Dunkelheit entrinnen konnten. Trotzdem legten wir uns schon um zehn Schlafen, sodass ich morgens dann um vier putzmunter war. Das Frühstück war zum Glück aufgrund der vielen Radfahrer im Hotel auf um sieben vorverlegt worden. Anschließend ging’s nach Gilserberg zum Start. Da wir niemanden zum „verbotteln“ hatten, mussten meine Flaschen irgendwo an den Streckenrand. Gemeinsam mit den Fahrern von Firebike-Drössiger wurde mit Europaletten einen schöner Tisch gebaut, damit wir die Flaschen greifen würden können ohne anzuhalten.
Am Start hatten sich eine Reihe bekannter Namen versammelt. Auf die Langstrecke gingen mit Sören Nissen, Christian Kreuchler, Peter Hermann, Ramses Bekkenk und Matthias Bettinger schon einmal mindestens fünf Leute, die ich unter Normalbedingungen nicht würde schlagen können. Dazu kamen noch Einige, bei denen ich schon einen guten Tag erwischen hätte müssen. Am Start wurde es mal wieder sehr nervös. So richtige Lust mitzudrängeln hatte ich nicht und so war ich am ersten Anstieg an vielleicht 30. Position. Natürlich musste irgendjemand an einem etwas steileren Stück mitten im Getümmel absteigen. Damit war die Spitzengruppe weg. Ich entschied mich zu kontinuierlichem Tempo. Nach ca. einer Stunde kam die Spitze wieder in Sicht. Für mich zum Glück, für ihn zum Pech, hatte Christian Kreuchler gerade in diesem Moment einen kurzen Defektstopp einzulegen. In seinem Windschatten war der Anschluss zur Spitze schnell gemacht. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte es für mich nicht besser laufen können. Dummerweise bummelte die Spitze in den flachen Stücken und bergauf fuhr man immer geschätzte zehn Watt über meinem persönlichen Wohlfühlbereich. Eigentlich war mir klar, dass das nicht gut gehen konnte und erst recht nicht im zweiten Rennen der Saison. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ... also ging ich vorerst mit. Bei der Rundendurchfahrt zerplatzte der Wunsch nach Flaschenaufnahme, da sich herausstellte, dass die Strecke gegenüber den Vorjahren geändert worden war und unsere Flaschen leider nicht wie geplant in greifbarer Nähe waren. Dumm gelaufen. Peter Hermann nahm den Umweg allerdings in Kauf. Für ihn war das auch praktisch egal, da seine Beine im zeitlichen Mittel sicher 50 Watt Leistung mehr bereitstellten als meine – ich würde ihn also bald wieder sehen. Glücklicherweise war ich mit zwei großen Flaschen gestartet, sodass es für Runde zwei noch reichen sollte. Mitte der zweiten Runde zog es mir dann doch deutlich eher als erwartet den Stecker. Jetzt ging es mehr oder weniger als Einzelkämpfer weiter. Bloß nicht daran denken, wie weit es noch ist! Zur Rundeneinfahrt in die dritte und letzte Runde waren meine Flüssigkeitsreserven endgültig erschöpft. Ich hatte mir vorgenommen, an der Verpflegungsstelle im Ziel anzuhalten und mit Bechern meine Flasche wieder aufzufüllen. Dumm nur, dass sich mir nicht erschloss, wo die Verpflegung sein sollte. Also ging es auf leerem Tank in Runde drei. Plan B musste her: In der ersten ruppigen Abfahrt hatten zum Glück ausreichend Leute ihre vollen Flaschen verloren, sodass ich mich hier bloß bedienen musste. Ich erwischte einmal zu dünn angerührtes Powerbar und einmal irgendetwas extrem Ekliges – sicher etwas Holländisches oder Belgisches (bei dem Rennen sind immer 50 Prozent der Starter Holländer und Belgier, obwohl es mitten in Deutschland liegt – sicherlich gehört es dort zu irgendeiner Serie). Damit war zumindest mein Flüssigkeitsproblem gelöst. Besonders wirkungsvoll war das widerlich Getränk nicht, denn meine Beine blieben, gelinde gesagt, besch***en. Ich quälte mich durch die letzte Runde und wunderte mich, dass mich keiner einholte. Blöderweise war die Runde auch noch 2 Kilometer länger als in den Vorjahren, sodass heute 126 Kilometer zu absolvieren waren. Kurz vor Schluss konnte ich mir noch Sven Mägdefessel schnappen und wurde damit Siebter. Allerdings ca. 25 Minuten hinter Sieger Sören Nissen, der die bärenstarken Christian Kreuchler und Peter Hermann auf die Plätze verwies. Mein Fahrgemeinschaftsgenosse Küfi hatte schon in Runde eins Defektpech und wurde trotzdem starker 17. Auf der ebenfalls hervorragend besetzten Mittelstrecke über 80 Kilometer wurde Micha sehr guter 35.
Fazit: Schöne Strecke, schönes Wetter, Rennverlauf suboptimal, nächster Versuch in Riva in zwei Wochen. Bis dahin!

Zur News-Übersicht


Facebook


Unsere Sponsoren