02.05.2015-Bike-Festival Riva

Ein Bericht von Sebastian vom Bike-Festival in Riva:

Auch in diesem Jahr hatte ich mich für einen Start auf der Ronda Extrema (93 Kilometer, 3600 Höhenmeter) beim Bike-Festival in Riva am Gardasee entschieden. Zugegeben, die Strecke wird sicher nicht mehr meine Lieblingsstrecke werden. Die Gründe sind vielfältig: Erstens bin ich bisher nie ohne Defekte durchgekommen. Zweitens finde ich die vielen Abfahrten, auf denen man ständig um kindskopfgroße Steine herumeiert nicht besonders erhebend (letzteres soll natürlich nicht heißen, dass es besonders im mittleren Teil des Rennens nicht auch Streckenabschnitte gibt, die ich wirklich schön finde). Und drittens mag ich das riesige Brimborium beim Bike-Festival nicht sonderlich. Große Menschenansammlungen waren noch nie mein Ding. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass ich immer froh bin, wenn die Startphase vorbei ist. Was mich dieses Jahr zum Start in Riva bewegte waren zwei Dinge. Zum einen ist der Marathon Teil des MarathonMan Europe, was bedeutet, dass die Startgebühr unschlagbar günstig ist. Und zum anderen bot sich das verlängerte Wochenende an, um etwas eher nach Riva zu reisen. So ging es mit „Sack und Pack“, d. h. Laura, dem Nachwuchs alias „Flaschenklau Mini“ (FKM) sowie dem fast fertigen FKM v2.0 schon in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag nach Riva.
Die Vorbereitung aufs Rennen verlief leicht suboptimal. Nachdem ich mich gut von dem Einbruch beim Kellerwald-Bike-Marathon erholt und anständig trainiert hatte, musste FKM Ende letzter Woche irgendeinen Keim anschleppen. Dieser zwang uns zum kollektiven unfreiwilligen Gewichtstuning. Die günstige Gelegenheit nutzten dann gleich noch irgendwelche andere Erregerchen, sodass ich mich im Weiteren mit einer Erkältung rumplagte. Aber „unverhofft kommt oft“ – dieses Mal im positiven Sinne. Wie durch ein Wunder ging’s Freitagnachmittag plötzlich aufwärts und am Renntag (Samstag) gab es wirklich keine Ausreden mehr. So reihte ich mich in die gefühlt 10000 Starter ein. Da ich keine Lust hatte, mich eine halbe Stunde lang in den Startblock zu stellen, musste ich mich mit einem Platz am Ende des Selbigen begnügen. Damit waren geschätzte 200 Fahrer vor mir. Nach dem Startschuss 7:30 Uhr konnte ich mich auf dem Flachstück zumindest soweit nach vorne schieben, dass ich dem gefürchteten Schieben am ersten Berg entkam. Die Rennstrategie war einfach: Ja nicht zu schnell starten – die Strecke ist lang genug. Und erfahrungsgemäß dauert es bei mir eh eine Weile, bis der Motor auf Touren kommt, wenn ich die Woche vorher nicht richtig trainieren konnte. Am ersten Berg gesellte sich Sebastian Küfner alias „Küfi“ zu mir. Gemeinsam zogen wir eine Gruppe hinter uns den Berg hoch. Um ein Haar hätte ich kurz vor Ende des Berges den Abzweig auf die Ronda Piccola genommen. Die hätte ich mit diesem Manöver ganz sicher gewonnen. Ich wurde allerdings zeitnah zurück gerufen. Die erste Abfahrt und das anschließende Flachstück verliefen unspektakulär und ich konnte einige Plätze nach vorn gut machen. An Berg Nummer zwei übte ich mich nach wie vor in Zurückhaltung, aber ich merkte schon, dass die Beine gar nicht schlecht waren. Das nutzte ich an Berg Nummer drei, um mich meiner Begleiter zu entledigen. Es lief jetzt richtig gut; der Motor hatte wie erhofft gezündet. Hin und wieder gab’s mal ein Déjàvu an dem ein oder anderen Felsblock, dem ich gerade noch so ausweichen konnte. Unglaublich, wie man sich an solchen Stellen instantan an die Situation aus dem Vorjahr erinnern kann. Wie es bei guter Renneinteilung sein sollte, wurde es am abschließenden Berg etwas zäh, aber trotzdem konnte ich im Schlepptau von Philipp Pangerl, der von hinten aufgeschlossen hatte, noch ein paar Konkurrenten einsammeln. Die Flüche, die ich auf der letzten Abfahrt von mir gab, möchte ich hier nicht wiedergeben. Wer dieses Ding bloß als Schlussabfahrt auserkoren hat? Auch hier gab’s ein Déjàvu. Hatte ich mir nicht im letzten Jahr an dieser Stelle geschworen, meine Bremshebel etwas enger an den Lenker zu stellen? Natürlich hab ich es nicht gemacht. Ich muss dazu sagen, dass ich noch etwas vorgeschädigt von meinen alten Bremsen bin, die ab und zu mal aus heiterem Himmel ihren Druckpunkt verloren haben. Deswegen habe ich sonst eigentlich lieber etwas „Sicherheitsweg“ am Hebel. Nur hier war das sehr blöd. Parallel Bremsen und Lenker halten wurde mit zunehmender Länge der Abfahrt immer schwieriger und zwischenzeitlich war es mal knapp am Kontrollverlust. Glücklicherweise kam ich am Ende durch die nicht enden wollenden Felsblöcke geradeso durch. Und: Dieses Mal ohne Defekt! Es schlossen zwar noch drei Fahrer von hinten auf; diese konnte ich aber in einem vorbildlichen Zielsprint hinter mir lassen. Damit sicherte ich mir mit Platz 20 ein Endresultat mit dem ich bei dem wie immer hervorragend besetzten Rennen sehr zufrieden bin. Der Aufwärtstrend ist klar erkennbar ;)

Neben der Rennstrecke fuhr derweil Laura ein etwas anderes Rennen. Es ging um unsere neuen Teamhosen. Diese hatten wir nach sorgfältiger Anprobe beim italienischen Hersteller Froggy Line anfertigen lassen. Um Porto zu sparen, sollte das Päckchen zu unserer Unterkunft gehen. Dumm nur, dass die Mitarbeiter des Spediteurs ausgerechnet letzte Woche entschieden hatten, für drei Tage zu streiken. Dazu kam der 1. Mai, der auch in Italien ein Feiertag ist. Vom Spediteur bekamen wir eine E-Mail, in welcher stand, dass das Päckchen Samstag von 10:00-12:00 Uhr in Trento abgeholt werden kann. Also düsten Laura und FKM nach dem Start (mit kurzem Zwischenstopp um mich zu versorgen) in Richtung Trento, was ein nicht unerhebliches Stück von Riva weg liegt. Die Adresse, wo das Päckchen sein sollte, gab es natürlich nicht bzw. war zumindest bis 12:00 Uhr nicht zu finden. Eine super Sache! Nicht schlecht schaute ich allerdings dann, als ich nachmittags mein Rad putzen wollte und ein Typ mit einem Paket und fragendem Blick ankam. Wie sollte es anders sein, waren darin unsere Hosen. Also Ende gut alles gut! (Fußnote: Hoffentlich halten die Hosen, was sie versprechen ...).

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