30.05.2015-Author Král Šumavy, Klatovy (CZE)

Bericht von Pitt

Letzten Dezember fasste ich den Entschluss 2015 ein paar neue Rennen in meinen Kalender aufzunehmen um mal wieder neue Strecken kennen zu lernen. So kam es mir ganz gelegen, dass die MME Serie um den „König des Böhmerwaldes “ mit Start in Klatovy erweitert wurde - versprechen tschechische Rennen doch technisch anspruchsvolle Strecken in schöner Umgebung.

Nach einem relativ kurzen Arbeitstag machte ich mich also vergangenen Freitag zunächst nach Buchholz auf. Hier sackte ich noch Sebastian ein, welcher Laura und Kinder zur Betreuung seinen Eltern überließ, und wir fuhren ins Böhmische. Die Fahrt gestaltete sich recht kurzweilig, Jungväter teilen halt doch oft die gleichen Probleme. Trotz des ein oder anderen verpassten Abzweigs erreichten wir nach gut 2,5 Stunden unser Ziel und Schritten zur Anmeldung für die 105km Strecke. Auf unsere Frage nach den Startblöcken drückte uns unser Gegenüber (nach eigener Aussage war er doch „very tired“) ohne einen Nachweis zu verlangen kurzerhand zwei VIP Tickets für die“First Line“ in die Hand. Glücklicherweise waren die auch wirklich für den ersten Startblock und nicht für die erste Reihe der Zuschauer, aber das sollten wir erst den kommenden Morgen erfahren.

Die Nacht verlief ungewohnt ruhig, weder von Sebastian noch aus einem der neben uns parkenden Fahrzeuge drangen die mich in der Nacht doch recht regelmäßig verfolgende Papa-Rufe an mein Ohr. So erwachte ich gegen 4Uhr und hatte etwas Mühe bei all der Stille wieder einzuschlafen. Sei es drum, die Zeit bis zum geplanten Aufstehen war endlich, gegen 6Uhr schellten diverse Telefone im Wagen und nach einem kurzen Frühstück entschlossen wir uns zunächst den Startbereich zu erkunden um unsere VIP Tickets einzulösen. Dort angekommen erblickten wir dann auch noch das ein oder andere bekannte Gesicht. Herr Küfner, Herr Kreuchler, Herr Ettlich und der ewige Salzkammergut-Zweite Ondřej FojtÍk hatten sich zu dieser traditionsreichen Veranstaltung her bemüht – Konkurrenz für Sebastian war also reichlich vorhanden. Auch für mich mit meiner begrenzten Leistungsfähigkeit sollte sich unter den 732 Startern wohl ernsthafte Widersacher finden lassen.

Fast pünktlich erfolgte der Startschuss und während Sebastian unser Trikot direkt an der Spitze des Feldes präsentierte versuchte ich irgendwo unter den ersten 50 im Windschatten etwas Kräfte zu sparen. Mir gelang es erstaunlich gut mit der Spitze mit zurollen, auch wenn sich mein Puls schon in Richtung Schwelle aufmachte. Spätestens am ersten Berg musste ich aber feststellen, dass der Grund für meinen bestehenden Kontakt zur Spitzengruppe deren ruhiges Tempo in der Anfangsphase war, von Tuchfühlung zur Spitze konnte nach den ersten richtigen Bergen jedenfalls keine Rede mehr sein. Da auch meine Beine noch nicht wirklich wollten, quälte ich mich auf den ersten Kilometern etwas, konnte meine Position aber so ungefähr halten. Sebastian fand sich währenddessen plötzlich und eher unerwartet allein an der Spitze des Rennens wieder. Seine zwei später wieder zu Ihm aufschließenden Mitstreiter Ondřej FojtÍk und Christian Kreuchler hatten wohl Mühe in den ersten Abfahrten sein Hinterrad zu halten.

Mir gelang es zunehmend meine Beine in Schwung zu bringen und ich konnte mein Tempo gehen. Da auch die Berge weit weniger steil als angenommen daher kamen, ließ ich mich zu dem ein oder anderen kurzen Schwatz mit einem Konkurrenten hinreisen. In der Abfahrt zur ersten von vier Bachdurchfahrten handelte ich mir aber den obligatorischen Plattfuß zum Saisonstart ein. Da dieser durch den seichten Kontakt mit einem kindskopfgroßen Findling zu Stande kam inspizierte ich mein Laufrad etwas gründlicher und ließ geschätzte 15 Fahrer passieren. Glücklicherweise hatte mein Laufrad keinen großen Schaden genommen, ich setzte meine Fahrt fort, hatte aber Mühe in dem sich an die Bachdurchfahrt anschließenden 15%tigen Anstieg wieder in Tritt zu kommen. An den Beinen meiner Mitstreiter schien das kalte Bachwassser jedefalls abgeperlt zu sein. Nichtsdestotrotz lief es die ersten 2,5h ähnlich wie für Sebastian für mich recht gut. So hegte ich die leise Hoffnung unter die ersten 50 zu fahren.

Mitte des Rennens (und beim Author Král Šumavy bedeutet das wirklich, dass man sich am weitesten weg vom Start/Ziel bewegt hat) schaltete das Wetter plötzlich von heiter bis sonnig auf bewölkt und böhig, einhergehend mit einem netten Temperatursturz auf gefühlte 5°C. Durch den einsetzenden Starkregen und Hagel ließ sich der Wetterumschwung auch nicht mehr mit Zusatzbekleidung auffangen, was mir die Motivationskörner quasi aus den Beinen schwemmte. Während Sebastian auf Platz drei liegend von nun an den Rest des Rennens alleine bestritt, dümperte ich zwischenzeitlich auf Platz 80 herum und war mehr mit mir selbst als mit der Strecke oder den vorbeiziehenden Fahrern beschäftigt. Es dauerte eine Weile, doch mit sich besserndem Wetter hellte auch meine Stimmung auf. Die durch den Regen etwas anspruchsvolleren Abfahrten kamen mir eher entgegen, die zwischenzeitlich zurück kehrende Sonne motivierte mich sogar in den Anstiegen wieder etwas kräftiger aufs Pedal zu treten, so dass ich relativ viel verloren gegangen Boden wieder gut machen konnte und auf den letzten 25km mindestens ebensoviel Konkurrenten noch hinter mir ließ.

So erreichte ich nach 5:30h als 54. eine gute Stunde nach der Spitze oder 51 Plätze hinter Sebastian das Ziel. Insgesamt bin auch ich zufrieden mit dem Rennen, sicher ist noch etwas Luft nach oben. Die Organisation des Rennens war gut, das keine Flaschen gereicht werden und man zum Füllen anhalten muss fällt bei meinem Tempo weit weniger ins Gewicht, alles in Allem ist Author Král Šumavy eine gelungen Ergänzung der MME Serie – die Landschaft ist schön, die Abfahrten marathontypisch nicht zu technisch, mein Lieblingsrennen wird es aufgrund des recht asphaltlastigen Mittelteils aber auch nicht.

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