04.06.2016-Extreme Bike Most

So war das Rennen von Pitt:

Extreme Bike Most – eine quasi nie endende Aneinanderreihung von technischen Abfahrten und ruppigen Gegenanstiegen mit Start und Ziel an der Pferderennbahn. Viel Spaß ist also garantiert und bei rund 1ner Stunde Fahrtzeit findet das ganze mehr oder weniger vor der Haustür statt. So stört es mich auch nicht weiter, dass mein treuer Begleiter HDW den schnöden Bettbau der Veranstaltung vorschiebt und absagt. Samstagmorgen besteige ich den Bus, drücke auf navigieren und befinde mich laut Navi 75 Minuten später am Ziel, nur leider weit und breit nix vom Hippodromu. Mhhh, ich werfe das Gerät noch einmal an. Diesmal spukt es mir weitere 45 km respektive Minuten Fahrtzeit aus. Noch einmal kurz überprüft starte ich nun wirklich gen Most und schlage pünktlich wie ein Maurer 9.30 Uhr, 30 Minuten vor dem Start, auf. Da ich die Wege vom letzten Jahr kenne entsteht aber nicht wirklich ein Zeitproblem. Warmfahren wird eh überbewertet.

Nach dem Start sprinte ich zunächst ein 30 m Loch zu und finde mich am Hinterrad von Mütze wieder. Gemeinsam erklimmen wir die Böschung der Rennbahn und bestaunen das Hinterrad eines Mitstreiters. Mit wenig Luft gefüllt pendelt es rhythmisch zwischen den Sitzstreben. Und ich dachte immer, dass ich eine Materialschlampe bin. Immerhin kommt er mit uns um den üblichen Crash in der Starphase herum. Mütze flucht kurz da das Loch, welches er eben gerade noch zu gefahren hat, nun dreimal so groß ist, und verabschiedet sich dann flott nach vorn. Da mir die giftigen Anstiege vom letzten Jahr noch gut in Erinnerung sind schlage ich ein langsameres Tempo an und warte bis sich wieder eine kleine Gruppe bildet.

Die Strecke präsentiert sich ganz anders als im letzten Jahr. Da waren meine Lungenflügel zu dem Zeitpunkt schon gut mit Staub gefüllt. Heute hingegen betreibe ich bei schwül-warmen Wetter Pfützenhopping - das macht Hoffnung auf mehr. Kurze Zeit später stürze ich mich in die erste richtige Abfahrt und, was soll ich sagen, meine Erwartungen werden voll erfüllt. Was 2015 knacktrocken war ist heute stellenweise schwierig schmierig – MorOST eben. Einfach nur zum Genießen. Erstaunlicherweise muss ich das gewählte Tempo schnell drosseln, da Fahrer vor mir es ruhiger angehen lassen. Aber auch die sonst üblichen von hinten heran rauschenden Helikoptertschechen bleiben aus, sodass ich mich nach der Abfahrt am Ende einer Gruppe von 5 Fahrern wieder finde.

Der nächste knackige Anstieg folgt und die Herren ziehen ordentlich am Hahn. Sei es drum, ich fühle mich gut, schenke der Leistungsmessung weniger Beachtung und folge. So geht das Spielchen eine Weile bis mein Vorderrad in einer Abfahrt zu sehr Haftung verliert und ich den Boden Grüße. Meinen Körper räume ich zeitnah von der Ideallinie, kontrolliere mein Rad, befestige den Transponder neu, setze den Blinker und muss doch noch eine ganze Weile warten bis sich eine ausreichende Lücke auftut in welche ich mich einordnen kann. Zum Glück ist das Hirn noch aus, also gehe ich den Rest der Abfahrt nicht wirklich langsamer an.

Es schließt sich die Umrundung eines kleinen Sees an, dem der erste Verpflegungstop folgen sollte. Da ich heute zur Verbottelung niemanden habe und um die knappe Anzahl der Flaschen weiß gebe ich etwas mehr Gas. In der Tat gelingt es mir mich mit 2 Begleitern auf den seifigen Wiesenstücken vom Rest der Gruppe abzusetzen. Bringt nur leider nix denn gefüllte Flaschen gibt es nicht. Also anhalten und Flasche mit Hilfe von bereitstehenden Becherchen füllen. Das ich dabei einige Becher verbrauche regt die Dame hinterm Tresen etwas auf, mich das dabei die ganze Gruppe wieder vorbei rauscht. Ich verlasse die Theke mit einem freundlichen „Ahoj“ und fädle mich kurz hinter einem Reinhold Messner Double ein.

Dieser kompakte Woll-Troll gibt eigentlich ein angenehmes Tempo bergan vor – trotzdem fühle ich mich hinter Ihm etwas unwohl. Warum? Erst habe ich das stehende Wasser in den Pfützen in Verdacht für unangenehme Gerüche zu sorgen, aber je näher ich Reinhold komme offenbart sich dass er nicht unbedingt angenehm riechenden Schweiß in rauen Mengen absondert. Da auf der engen Strecke nicht wirklich ein Weg um ihn herumführt lasse ich die Lücke wieder größer werden, komme Ihm in der anschließenden Abfahrt wieder gefährlich nahe, aber auch vorbei.

Eigentlich hatte ich mir für heute die 72 km auf die Fahnen geschrieben – da die Beinchen nun aber doch schon recht müde wirken entschließe ich mich kurzerhand auf die kürzere Runde umzuschwenken. Ist wohl besser da ich auch in den Abfahrten merklich Aufmerksamkeitsdefizite offenbare. Reinhold, mittlerweile am Berg wieder schnittig an mir vorbei gezogen, tut es mir leider gleich. Hinter ihm in sicherem Abstand absolviere ich die letzten Trails des Tages. Auf den Feldwegen hin zur Rennbahn schließe ich zunächst die Lücke und komme dann bei unverhofft wenig Gegenwehr recht flott von ihm weg. Nur mein eigener Antrieb, welcher nach dem Schlammbad bei jeder Kurbelumdrehung krächzt als würde er gleich zerbersten, kann mich jetzt noch aufhalten.

Er hält zum Glück und ich erreiche das Ziel nach knapp 3 Stunden auf Platz 24 (11 AK). Das sah letztes Jahr etwas besser aus. Da der Rückstand auf die Spitze vergleichbar zu 2015 ist haben wohl einfach mehr Leute abzukürzt. Bei der hiesigen Tombola greife ich mit meinem Los noch einen Spezialized 29“x2.0 Mantel ab. Liegt meine Zukunft gar nicht auf dem Rad? Sollte ich zukünftig Losfee für Guido Goldig spielen, dem gleiches auch mit einer Vielzahl von Losen nicht gelingt? Ich werde die kommenden zwei Wochen in mich gehen und das Problem mit Guido in Maleville näher erörtern.

Und so war das Rennen von Sebastian:

Nachdem ich nun schon seit April selten im Vollbesitz meiner körperlichen Kräfte war und der körperliche Zustand entsprechend suboptimal ist, muss eben an der Materialschraube gedreht werden. So ging es für mich im tschechischen Most das erste Mal in meinem Leben vollgefedert an den Start. Man wird eben älter. Die Anreise von Annaberg-Buchholz aus verlief erfreulich unspektakulär. Selbst das Rad von Drei-Meter-Mann Philipp Kohl brachten wir ohne Demontage der Sattelstütze im Tuborg-Transporter unter. Mit an Bord waren noch Christian Hofmann und mein Bruder Immanuel, der dankenswerterweise für die Verbottlung sorgte. Noch vor Startschuss gab’s den ersten Schreck: Keine Nachmeldungen! Da ich des Tschechischen nicht mächtig bin, war mir das bei der Lektüre der Veranstaltungshomepage entgangen. Glücklicherweise konnte ich den Startplatz von Felix Fritzsch, der gemeldet hatte aber nicht startete, nutzen. Vielen Dank dafür - ohne diese glückliche Fügung hätte ich wohl zuschauen dürfen.

Wie immer wurde nach erfolgtem Startschuss mit Haken und Ösen gekämpft. Ich erwischte einen schlechten Start. Im Gedränge sah ich eine Lücke, wo keine war, bzw. wo der neben mir fahrende Tscheche keine lassen wollte. In meine Kalkulation hatte ich leider die 5 mm meines Sahmurai-Lenkerstopfens nicht einbezogen, was zum Kontakt mit einer Holzhütte führte. Das Ding (also der Stopfen) brach natürlich so unglücklich ab, dass ich tags darauf meine helle Freude haben würde, den Rest vom Sahmurai-Tool aus dem Lenker zu entfernen. Einen Sturz konnte ich aber immerhin gerade noch so vermeiden. Es wurde in der Startphase noch mehrfach brenzlig für mich, weil manche Tschechen offenbar der Ansicht waren, dass das Rennen hier gewonnen wird. Trotzdem ging es in guter Ausgangslage in den ersten richtig steilen Anstieg. Hier musste ich gleich mal wegen eines Kettenklemmers vom Rad – ganz ausgereift war der neue fahrbare Untersatz also noch nicht und ich sollte im Folgenden wegen der nicht wirklich funktionierenden Schaltung noch einige Male fluchenderweise vom Rad müssen. An den ersten Bergen probten meine Beine den Aufstand und so passierten mich einige Tschechen. Immerhin konnte ich in den Abfahrten hin und wieder meinen Fully-Vorteil ausspielen und tatsächlich auch die eine oder andere Lücke zu tschechischen Fahrern schließen. Das gab’s auch noch nie! Zur Rennmitte zündete völlig unverhofft der Motor. Ich machte nun etliche Positionen gut und es fühlte sich endlich mal wieder so richtig nach Rennenfahren an. Am Schluss wurde es allerdings doch wieder zäh. Auf den letzten endlosen 15 Trailkilometern half auch das Fully nichts. Die ständigen Richtungswechsel und das Auf und Ab auf diesem Streckenteil haben mir noch nie gelegen und so war es leider auch diesmal. Durch eine Unkonzentriertheit ging es zu Rennende auf glitschigem Untergrund nochmal unsanft zu Boden. Dabei brach auch das Sahmurai-Tool auf der anderen Seite ab. Nichts geht über Symmetrie! Schließlich rettete ich mich auf Gesamtplatz zwölf ins Ziel - bei der doch recht ansprechenden Besetzung des Rennens gar nicht mal so schlecht. In der Kategorie „MEX“ wurde ich als Sieger gekürt und bekam dafür 1000 Kronen, die ich sicher beim Malevil-Cup in Bratwürste umsetzen werde. Eine nachträgliche Recherche brachte Gewissheit, dass „MEX“ für „Men Expert“ steht und die tschechische Hobby-Kategorie ist. Meine Lizenznummer hatte ich bei der Anmeldung angegeben und auch mein Kreuzchen bei „Elite“ gesetzt. Daran kann es also nicht gelegen haben. Vielleicht ist jeder Deutsche in Most per Definition Hobby-Fahrer (außer Torsten „Mütze“ Mützlitz, aber der ist laut Ergebnisliste auch Niederländer). Felix, mit dessen Startnummer ich unterwegs war, wurde jedenfalls im Vorjahr auch als Zweiter der Experten-Kategorie klassiert.

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