23.04.2017-UCI Marathon Series "Tiliment Bike Marathon" in Spilimbergo (ITA)

Laura - Nachdem die letzten Monate vorrangig dem Studium gewidmet waren, war es endlich an der Zeit für ein Rennen. Ich hatte die Wahl zwischen Nieselregen im Harz oder 20°C und Sonnenschein in Italien. Wirklich schwer fiel die Entscheidung nicht. Bastian war ein wenig Frühlingssonne auch ganz recht. Begleitet wurden wir glücklicherweise von meinem Papa, der fast die gesamte Autofahrt übernahm und uns vorzüglich verbottelte.
Der Zeitplan war knapp bemessen mit Anreise am Samstag und Abreise am Sonntagabend. Nichtsdestotrotz ver-1,5-fachten wir Bastians MTB-Trainingspensum des letzten halben Jahres mit einer Runde auf den ersten Streckenkilometern. Süße kleine Frischlinge sprangen auf einmal von beiden Seiten über unseren Weg und ein paar Meter weiter sprang die zugehörige Mama die Böschung herab. Wir flüchteten so schnell wir konnten – es war sicher meine schnellste „Vorbelastung“ überhaupt.
Die Elite war am Start und ich stand dank UCI-Marathon-Series-Punkten mit Nummer 37 recht weit vorne. Bastian hingegen musste sich mit einer Tageslizenz im letzten Block einordnen. Ein Traum war das: Früh um 9 Uhr „kurz-kurz“ starten, Sonne, blauer Himmel! Nur die Erkältung, die ich mir zwei Tage zuvor eingefangen hatte, trübte die Vorfreude etwas.
Nach einer Schweigeminute in Gedenken an Michele Scarponi erfolgte der Start lange neutralisiert und ich fühlte mich wie am Bahnsteig wo links und rechts die Züge abfahren. Trotz meiner guten Startposition hatte ich bis zum eigentlichen Start viel Boden verloren. Auf den flachen Anfangskilometern wurde mächtig Gas gegeben, doch ich hatte irgendwie die Parkkarte gezogen. Auch in den folgenden Anstiegen fehlte der „Bums“ und in den Trails und Abfahrten fühlte ich mich auf meinem neuen Rad ungelenk und fehl am Platz. (Ja, ich weiß, man sollte neues Material nicht das erste Mal im Rennen testen und man sollte vorm ersten Rennen auch schon ein paar Technik-Kilometer gesammelt haben, aber das Rad habe ich erst seit einer Woche und das Wetter zu Hause, der Schlamm … und ein bis dato blitzendes Rad …)
Ich war recht frustriert und hatte mich schon fast in mein Schicksal ergeben, als nach ca. 1,5 h Bastian, strahlend wie immer, von hinten aufschloss. Er schloss die Lücke zur vorderen Gruppe und schlug ein zügiges, aber gleichmäßiges Tempo an. In den Trails hatte ich ein Hinterrad, an dem ich mich orientieren konnte und auf einmal lief es „wie geschmiert“. Ein gemeiner Kettenklemmer bremste uns kurz aus, aber Bastian konnte das zum Glück sofort wieder lösen. Der Motor war angesprungen und ich im Rennmodus. „Aus Frust ward Lust.“ Ich konnte die technischen Abfahrten genießen und das Rad endlich laufen lassen. Herrlich. Bastians Laufform kam ihm bergauf sicher zugute an den steilen Anstiegen. Am Beginn des Scharfrichters rollte ich an der „Grande Dame in Rot“ – Gabi Stanger im Centurion-Vaude-Trikot vorbei und machte auf den folgenden 1000 hm viel Zeit gut. Ich war froh, mich für zwei Kettenblätter entschieden zu haben. Selbst mit denen betätigte ich mehrmals den Schalthebel in der Hoffnung noch irgendwo einen Gang zu finden. Nach dem Anstieg kommt die Abfahrt, aber was für eine! Da haben die Scheiben geglüht, die Beine gezittert und die Hände gekrampft. Echt hart, aber trotzdem herrliches Terrain! Nach zwei verlorenen Flaschen fehlte mir die Flüssigkeit um die Gels zu verdünnen und mein Verdauungstrakt begann zu streiken. Ich musste einen Notstopp einlegen, auch um ein zweites Mal ein Kettengewirr auseinanderzufitzen. Das war in dem Moment in dem Gabi Stanger auf ihrem Fully an mir vorbeipreschte. Unglaublich, wie viel Zeit sie auf der Abfahrt rausgeholt haben muss. Ich war nicht schnell genug um den Anschluss zu schaffen und musste sie fahren lassen. Kurz vor Schluss wurden mir die nassen Steine einer Flussdurchfahrt noch zum Verhängnis und ich nahm ein unfreiwilliges Bad. Auf den letzten 10 km ging es flach bis nach Spilimbergo im Tiliment-Flussbett. Das Ziel nach fast 6 h Fahrzeit war schon zu hören als ein kleiner Hügel reichte, um mir beidseits ordentliche Oberschenkelkrämpfe zu geben. Autsch!
Mit Platz 9 bin ich sehr zufrieden und die Tatsache, dass nach vorne zu Platz 5 nur 6,5 min waren, motiviert für kommende Rennen.
Bastian kam ca. 10 Minuten danach ins Ziel und wurde 9. in seiner AK und meinte tatsächlich, dass ihm nix wehtun würde. Ist mir immer noch Rätsel.
Jetzt habe ich schon wieder viel zu viel geschrieben, wird nicht mehr passieren, dennoch, wer’s bis hierher geschafft hat, ein Fazit bzw. „Moral aus der Geschicht“:
- Rad: TOP! – ein großes Dankeschön an Thomas Bauer von Fahrrad Bauer/TBR Bikes!
- Flaschenhalter: Geb ich noch eine Chance/Neue Formula-Bremse: Mein Lebensretter#2
- Mein Papa: Lebensretter#1-Vielen Dank!
- 104 km-Marathon zum Saisonstart nach dem Winter ist nicht empfehlenswert
- EM-Strecke 2018 dagegen sehr empfehlenswert…
- „Core-Stability“ ist Schwachsinn! „Core-Flexibility“ ist viel wichtiger.
So, jetzt ist Schluss – Bis bald im Wald!
Ergebnisse zum Nachlesen hier: https://www.endu.net/events/tiliment-marathon-bike-3-granfondo-periklis-ilias#/results


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