01.10.2017-UCI-Marathon-Man-Series

Laura berichtet:

Wir (Sebastian und ich) sind mittlerweile schon traditionell Anfang Oktober im schönen Juragebirge in Frankreich - Urlaub und Saisonausklangsradrennen, beim wohl anspruchsvollsten Marathon, den wir kennen.
Es ist der letzte "Rennbericht" (zumindest MTB) von uns in diesem Jahr, da hole ich nochmal etwas aus:
Wir waren schon eine Woche hier und haben unsere Zweiräder bei wunderschönem Wetter auf der Strecke bewegt, Abfahrten beäugt und geübt. Die Strecke ist größtenteils bergan auf grobschottrigem Kalkstein und bergab, nun ja seeehr technisch: steil, verblockt, mit Wurzeln gespickt, Drops, engen Kehren,... aber bei Trockenheit machbar.
Ebenfalls traditionell regnete es am Vortag sehr stark (In den letzten 6 Jahren hier, war die Strecke einmal trocken, was die Fahrzeit um eine Stunde verkürzte). Sebastian war sich schon da unsicher, ob er starten sollte, doch wollte es zumindest versuchen.
Bei 2° C (Immerhin stellte sich da beim Zumstartfahren nicht die Frage, ob man Jacke, Mütze, Handschuhe, etc. anziehen sollte...) fuhren wir zum Startgelände nach Ornans.
Die Männer starteten 15 min nach den Frauen: Wegen enormer Toilettenzeiten der Vorgänger, stand Sebastian in der Startaufstellung zu weit hinten und kam am ersten Berg auch nicht mehr nach vorn. So waren die Abfahrten, ohnehin schon rutschig und schlammig, auch noch stark zerfahren. Als er vor und hinter sich die Mitfahrer in den Seitengraben einschlagen sah und hörte, ließ er trotz "guter Beine" Vernunft walten und stieg nach ca. 15 km aus.

Ich selbst konnte sich nach dem ersten Berg in der Verfolgergruppe hinter der bereits enflohenen Sabrina Enaux gut behaupten. Als es gegen Ende des Anstiegs in eine Laufpassage ging, konnte ich mich etwas absetzen und in den anschließenden technischen Passagen eine gute Linie fahren. Ich dachte mir noch: "Zwar nicht schnell, aber immerhin gefahren." Im zweiten Teil der Abfahrt fährt man auf einem engen, steilen aber sehr verblockten Weg und hofft, dass die Bremsen nicht aufgeben. 20 m vor Ende erwischte ich mit dem Hinterrad einen großen Stein, der mich von der Linie abbrachte. Das Vorderrad rammte zwei größere Steine und ich konnte den Sturz nicht vermeiden. Ich war schnell wieder auf dem Rad und konnte da die Führende ca. 30 m vor mir sehen. Das ist mir zwar ein absolutes Rätsel, wann und wie ich auf sie Zeit gut gemacht haben soll, aber ich klemmte mich an ihr Hinterrad und ignorierte die widerspenstige Schaltung. Als es in den nächsten Berg ging und ich runterschalten wollte, verklemmte sich mein Schaltwerk in den Speichen und das Rad stand still. Ich trug das Rad wieder zurück zur letzten Tech-Zone, wo mir Viktor, der Begleiter von Cemile Trommer, einer Mitfahrerin mit einem wahren Glücksgriff das Schaltwerk wieder richtete. Ich konnte weiterfahren, wenngleich ich am folgenden Berg auf die 4 kleinsten Gänge verzichten musste. Und der Berg war steil, sehr steil und lang... Ich bin oben angekommen, war da um Platz 8, aber mental schon "out of the race", was ich in der nächsten Abfahrt zu spüren bekam - ein einziges Geeier und Hoffen, irgendwie heil unten anzukommen. In einer schlammigen Abfahrt war ich unkonzentriert und flog in hohem Bogen in Brombeergestrüpp - die Stacheln werde ich aus Arm und Bein wohl noch Wochen lang entfernen. An der kurz darauffolgenden Tech-Zone war Sebastian, der sich nochmal um die Schaltung bemühte und mich auch zum Weiterfahren animierte. [Okay, ich brauchte auch das Preisgeld - für ein neues Schaltwerk.] Der darauffolgende Teil war zäh, da ich vorallem mental einen Hänger hatte und im Alleingang unterwegs war. Das letzte Stück der Strecke zwischen der vorletzten Verpflegungsstelle und Ziel war mir recht bekannt und ich sammelte Konkurrentinen ein, was die Gemüter belebte und meine Fahrkünste enorm verbesserte. Sebastian rief mir zu "Du fliegst!". Ich fühlte mich sicher nicht so und hoffte, nicht nochmal auf die Nase zu fliegen, aber das zu hören, hat schon einen Schub gegeben. So "flog" ich quasi gen Ziel, wenn da in der Zielabfahrt nicht mein Schaltwerk seinen Dienst vollends quittiert und sich wieder im Hinterrad verklemmt hätte. Ich musste die Abfahrt noch runter und dann noch 500 m auf Asphalt. Mit aller Kraft richtete ich das Schaltwerk und Kette wieder so, dass sich zumindest das Hinterrad drehte, auch wenn ich nicht mehr treten konnte. Die letzten 400 m rannte und "rollerte" ich mein Rad gen Zielbogen, hoffend, den dann 5. Platz nicht noch kurz vor Schluss angeben zu müssen. Es hat noch für Platz 5 gereicht und die schnellste Zwischenzeit auf dem letzten Streckenabschnitt.;-)
Die Emotionen sind noch etwas chaotisch: Sebastian ärgert sich, dass er trotz gutem Trainingszustand in den letzten Rennen und eben auch heute seine Leistung nicht abrufen konnte.
Ich bin einerseits froh, dass
1. mein Rad überhaupt noch gehalten hat [Anm.: Das von T. Bauer eingeklebte Carbonstück+Schaltauge vom letzten Schaltwerksausriss ist keine Sollbruchstelle, sondern hat 1A gehalten. Das Problem war diesmal der Sturz auf das Schaltwerk]
2. Ich mein wohl bestes Rennen überhaupt gefahren bin und Top 5 hätte ich mir zwar vorher gewünscht, aber nicht als realistisches Ziel gesehen.
3. Ich bis auf reichlich Kratzer heil angekommen bin, trotz allein 15 min Reparaturzeit noch 10 min schneller als letztes Jahr.
Anderseits bin ich schon enttäuscht, meine kurzzeitigen Hoffnungen auf einen/ den ersten Podiumsplatz so begraben haben zu müssen ...

So, das war es von uns. Wir genießen noch eine Woche Urlaub und das Schmarotzerleben nach dem letzten Saisonrennen.

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